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Schwangerschaftsberatung, die Umschrift eine weiblichen Praxis in Technologie

Schwangerschaftsberatung kann vielfältiges sein, hier geht es um die medizinische instrumentelle Diagnostik und ihre Kritik. Es geht hier nicht darum Frauen die Rat suchen zu kritisieren, sondern die Art und Weise in der dieses Begehren heute für biopolitische Zwecke instrumentalisiert wird.

Schwangerschaftsberatung, als Teil der Diskurse über die Geburt, konstruiert mit das, was wir unter Kind, Geburt, Mutter usw. verstehen.
Dabei geht es nicht darum, daß jenseits der modernen Schwangerschaftsberatung und der modernen Medizin irgendeine natürliche Weiblichkeit und ein natürliches mütterliches Verstehen und Fühlen existieren würde. Zwar lassen sich Begriffe und Erfahrungen wie Schwangerschaft und Geburt nicht auf Kultur reduzieren, ebensowenig ist es aber möglich bei ihnen von Kultur zu abstrahieren. Es ist nicht möglich die gesellschaftlichen Setzungen aus einem Begriff vollständig zu eliminieren, da unser Denken und Fühlen selbst keinen Standpunkt außerhalb der Kultur hat. Begriffe wie Weiblichkeit, Mutter, Geburt, Schwangerschaft stehen immer schon in einem gesellschaftlich Raum und in vielfältigen Verhältnissen, sie sind immer schon kulturelle Konstrukte. Die ethnometodolgische Forschung zeigt, daß auch in Ethnien, die nicht durch die Moderne geprägt sind, die Begriffe von Geburt, Weiblichkeit, Schwangerschaft bereits hochgradig symbolisch aufgeladene kulturelle Artefakte sind. Die Kostruktion der Begriffe setzt nicht mit der modernen Medizin und der modernen Schwangerschaftsberatung ein. Die moderne Medizin und moderne Schwangerschaftsberatung konstruieren diese Bergriffe aber auf neue Weise.

Der Einsatz von Ultraschall in der Schwangerschaftsberatung und und anderen bildgenerierenden Verfahren führt zur technischen Bildkonstruktionen des Fötus als unabhängigem Objekt und hat wesentlich dazu beigetragen den Fötus als eigenständiges Rechtssubjekt zu etablieren. Dies ist eine rein willkürliche Entscheidung, die politisch begründet ist und deren Setzung durch die technische Scheinobjektivierung vertuscht wird. Trotzdem wird wie selbstverständlich heute in der Schwangerschaftsberatung von zwei Rechtssubjekten, Mutter und ungeborenem Kind ausgegangen. Diese Setzung der Schwangerschaftsberatung ist eine politische Entscheidung, die durchgesetzt wurde gegen historisch vorhergehende Setzungen, das ungeborene Kind und die Mutter als untrennbare Zweiheit zu begreifen.
Die Schwangerschaftsberatung betreibt hier eine Politik der Entmächtigung der Frauen in ihrer Entscheidung über die Geburt. Die Schwangerschaftsberatung steht in einem Gesamtzusammenhang der medizinischen Entmündigung der Frauen, die aber gleichzeitig als neue Selbstverantwortlichkeit an die Frauen zurückdeligiert wird. Die moderne Schwangerschaftsberatung ist damit klassische moderne Biopolitik, sie verstärkt gleichzeitig die Disziplin und deligiert diese Disziplin als psychologisch und sozial verankerten Zwang zur Selbstdisziplin an die werdenden Mütter. Dies passiert in der Schwangerschaftsberatung über die Konstruktion einer durch wissenschaftlich-technologische Rituale (Ultraschall/genetische Statistik/usw.) legitimierten Außensicht auf die werdende Mutter, die diese in die schwangere Frau und den Fötus spaltet.
Der Frau wird dabei die Verantwortung für diese nun unbhängig konstruierten Rechtssubjekte zugewiesen und die Verantwortung für Güterabwägungen nach scheinbar objektiven Fakten. Die Fakten der Schwangerschaftsberatung stellen aber häufig keinen Rat dar, sondern lassen die Frauen unausweichlich in eine Verschuldungsfalle tappen, in der sie immer nur als Schuldige darstehen können, egal wie sie sich wenden, schuldig sich oder dem Kind gegenüber oder gar gegenüber der Gesellschaft.

Eine Schwangerschaftsberatung die den Namen der Beratung, des Rat gebens, verdient, müßte hingegen die Eigenwahrnehmung der Frauen stärken, um so durch die Schwangerschaftsberatung die eigene Entscheidungsfähigkeit zu stärken, die moderne medizinalisierte Schwangerschaftsberatung hat eher gegenteilige Effekte.

In der modernen Schwangerschaftsberatung scheint es immer mehr um ein Bild der Frau zu gehen, das diese als werdende Mutter, als eine Art Subsistenzunternehmerin der Kinderproduktionsindustrie begreift, genau dies stellt die Abbildung oben aus.
Die Abbildung wurde ursprüngölich als Protetspostkarte zur Expo 2000 in Hannover verteilt.

Dju

Dies ist keine offizielle diskutierte und abgestimmte Seite des AK-Biopolitik (lifeKritik e.V.). Dies ist eine satirische Hinweisseite auf die Netzpräsens der Gruppe HalluziNoGene in alleiniger Verantwortung des Autors (siehe Impressum).

Zu diesem Thema und zu vielem mehr findet Ihr viele interessante Texte auf den Netzseiten:

http://www.halluzinogene.org

und

http://www.ak-anna.org












Letzte Aktualisierung 30.5.10



Stichwortindex dieser Seite

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